Jedes Tun ist Erkennen, und jedes Erkennen ist Tun. Maturana / Varela

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Selbstorganisation, Konstruktivismus, systemisches Denken – alle diese Begriffe gehören zusammen. Solch kurze Texte, wie hier auf meiner kleinen Internetseite, reichen nicht aus, um der Komplexität dieser Themen auch nur halbwegs gerecht zu werden. Deshalb an dieser Stelle nur einige kurze Thesen:

Selbstorganisation und Autopoiese sind fundamentale systemische Prinzipien. Schon Gregory Bateson schrieb, dass das menschliche Bewusstsein zu begrenzt sei, um die systemische Natur der Dinge zu durchschauen.

Die moderne Gehirnforschung belegt mittlerweile sehr eindringlich, dass kein Mensch von Aussen zu etwas gezwungen werden kann. Er kann lediglich autonom und gemäß seiner eigenen internen Struktur auf die “Angebote” aus seiner Umwelt reagieren.

Soziale Systeme

Dasselbe kann für kleine und große soziale Systeme angenommen werden. Soziale Systeme entwickeln grundsätzlich ihre je spezielle Form von Eigendynamik. Dies verändert radikal die Ideen darüber, wie Führen und Leiten funktionieren könnte. Diese Eigendynamik ist es auch, die eine Schlüsselposition für die Ziele und Zwecke von Teams einnimmt.

Attraktoren sind es, die wesentlich die Eigendynamik solcher Systeme bestimmen. Attraktoren werden hier verstanden, als “Guter Geist”, z.B. eines Teams. Der israelisch-amerikanische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky hat mit seinem Salutogenesekonzept meines Erachtens mögliche Kriterien erarbeitet, welche sich gut als “Attraktoren” für zieldienliches Arbeiten in Teams, aber auch für Einzelne, eignen:

Stimmigkeit – Kohärenz
Attraktive Gesundheitsziele
Subjekt und subjektive Norm
Systemische Selbstregulation
Entwicklung und Evolution
Mehrere Möglichkeiten: sowohl – als auch

Gerade Mitarbeiter in sozialen Kontexten müssen Sinn in ihrer Arbeit sehen. Sie sollten in der Lage sein, positive Ziele anzupeilen. Sie sollten eine vermeintliche Objektivität aufgeben, zu Gunsten einer Objektivität in Anführungsstrichen (Maturana). Sie müssen klare Rahmenbedingungen für ihre Arbeit haben, innerhalb derer sie sich jedoch frei entfalten (selbstorganisieren) können. Sie müssen Möglichkeiten erhalten, sich durch externe Hilfestellung, als auch durch sich selber, weiter zu entwickeln. Und sie müssen über Wahlmöglichkeiten verfügen.

Gelingt eine solche Selbstorganisationsentwicklung, hat dies in logischer Konsequenz erwünschte Auswirkungen auf die Klienten dieser Mitarbeiter. Hier passt Gunther Schmidts ethischer Imperativ:

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selbst organisations entwicklung

Zum Label meiner Angebote:

Zugegebenermaßen ein recht langes Wort. Trotzdem war ich erstaunt, dass sich vor mir noch niemand dieses Wort als Domain gesichert hat. Umso schöner für mich. Drückt dieses Wort so sehr viel mehr aus, als es seine Länge allein schon her gibt.

Wir finden darin das „Selbst“. Kann ich ES doch als mein „Ich“ ansehen, als die vermeintlich steuernde Einheit meines Geistes. Oder als das Selbst hinter dem ICH, als das Unbewusste. Oder repräsentativ für meine gesamte Persönlichkeit an sich. Organisation, als der Teil meines Geistes, der das große Ganze sehen kann. Die Organisation meines Inneren, der die Harmonie all meiner Teile organisiert. Und welch schöneres Wort kann es geben, als Entwicklung. Verstanden durchaus in mindestens zwei Richtungen. Das sich Weiterentwickeln meiner Selbst, meines Lebens, meiner Persönlichkeit, meines Kontextes, meiner Welt. Aber auch das ent wickeln meiner Verknotungen, Verspannungen, schlicht meiner persönlichen Themen – und auch das ent wickeln meiner Beziehungsgeflechte. Das führt zu einer Organisationsentwicklung im Makrobereich: für ein Team, eine Abteilung, einen Bereich, einer Organisation. Und dies führt zu einer Entwicklung im Mikrobereich: meiner inneren Welt, die doch auch die äussere ist. Und all dies funktioniert wohl nach den zum Teil unbekannten „Gesetzen“ der Selbstorganisation!

„Selbstorganisierende Systeme sind selbstreferentiell und weisen eine operationale Geschlossenheit auf“ – Wikipedia. Die Biologen Maturana und Varela bezeichnen dies als Autopoiese. Für sie ist dies die Definition von „Lebens“ an sich, der Unterschied zwischen belebter und unbelebter Natur. Von Leben spricht man, wenn sich etwas selbst erzeugt. So tun dies Zellen. Sie teilen sich, aus sich selber heraus. Selbstorganisation passiert aber stets um ein Ziel herum, einen Attraktor. Bei Lebewesen ist es meist das Überleben eines selbst. Soziale Systeme sind ebenfalls selbstorganisatorisch. Da das Überleben z.B. eines Teams oder einer Organisation nicht unbedingt im Vordergrund stehen muss, benötigt es eines weiteren, oder sogar mehrerer Attraktoren, damit sich dieses soziale System optimal selbstorganisieren kann. Dies kann eine gute Führung sein; dies kann aber auch mit und ohne Führung ein rein selbstorganisatorischer Prozess sein. Das benötigt dann Vertrauen in die Selbstorganisation (Mechtild Reinhard) – von Seiten der Führung, und jedem Teammitglied. Attraktoren ergeben sich aus den Grundbedürfnissen der Teile eines solchen Systems. Sie können aus der Resilienzforschung entnommen werden.